Aktuelles im Stadtviertel

Noch eine Arena für Ludwigsburg

An die Küchen-Arena in der Schwieberdinger Sttraße haben wir uns ja schon gewöhnt - aber jetzt hat auch das Schillerviertel seine Arena. Im Oktober war´s so weit - der "wind of change" erreichte Ludwigsburg.
Endlich auch hier eine Video-Leinwand, wie es sich für jede große Stadt gehört. Und Autos, Autos, Autos...

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Hier ein bisschen was zur Arena aus der Stuttgarter Zeitung - und ein Audio zum großartigen Eröffnungsevent mit den Scorpions im Oktober.

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In unserer liebenswerten Stadt:
"The wind of change" - Eröffnung der Arena

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Das Epische, gefangen im Klotz

Dream-Theater spielten in der neuen Arena in Ludwigsburg.

Ludwigsburg - Vier Rockgruppen des harten Kalibers, nacheinander, das muss eine Belastungsprobe für die neue Arena Ludwigsburg sein, fürwahr. Ein Schalldruck, der wie eine Abrissbirne und wie ein Schneidbrenner wirkt, er könnte auch leicht den Verputz so von der Decke fallen lassen, wie das etwa in Schulen in Mode gekommen ist. Nichtdoch. Bigelf, Unexpect, Opeth und als Höhepunkt Dream Theater, das sind wohlklingende Namen am vibrierenden Schnittpunkt zwischen Progressive Rock und Metal, die für einen unerbittlichen Stoßtrupp des Tests von Stahlgestänge und Betonboden stehen mögen. Am Beton immerhin ist nicht gespart worden bei der neuen Veranstaltungsstätte dicht neben dem Bahnhof.


Siehe auch
Showtime in Ludwigsburg Sportpalast und Musikantenstadl »

Ein riesiges Quader ist's, ein viereckiger Klotz, der nicht zu verfehlen ist, auch wenn dem Novizen des Hallenbesuchs ein Hinweisschild schon auf der Zufahrtsstraße in die eine und das andere in die andere Richtung zeigt. Mutig entscheidet er sich für das eine und hätte doch das andere wählen sollen. Denn die unmittelbar unter der Halle angelegten Parkmöglichkeiten sind natürlich hoffnungslos unterdimensioniert für einen massenhaften Konzertbesuch wie diesen. Klaro, wer mit dem Auto kommt, ist selber schuld. Der Bahnhof liegt schließlich gleich daneben, die letzte S-Bahn wird auch gar nicht überfüllt sein.

Immerhin steht kein verschärfter Orientierungsmarsch durch die Stadt an, wie einst in Böblingen, wo die ferne und nun abgerissene Sporthalle die Tiefe jenes Großraums Stuttgart markierte, dem Ludwigsburg nun vielleicht als Ersatz dienen soll. Wir lassen uns den Weg weisen, über die Straße, links und bis zur Haltestelle und wieder rechts und dann... wird's zugig, windig und richtig unangenehm heimelig, als wir uns ein noch nicht ganz fertiggestelltes Parkhaus in der Nähe hochschrauben. Jetzt aber los, Ludwig!, so sagen wir uns und suchen einen Aufzug gleich vergebens.

Wer mit dem Auto kommt, ist selber schuld


Wie überhaupt jemals vom zweiten Stock dieses Parkungetüms herunterkommen, hinüber zum Geschehen im neuen Klotz? Jetzt nicht panisch werden! Kein Ausgang nirgends. In unserer Not nutzen wir den vermeintlichen Notausgang, hinter dem sogar ein Aufzug zu warten scheint. Hinter dem Notausgang? Hm, wirklich?. Sieht jedenfalls so ähnlich aus. In diesem Falle stimmt's, denn der Aufzug funktioniert nicht, das Lichtlein leuchtet zwar Verheißung, allein der Aufzug, er kommt nicht. April, April!, mitten im Oktober, wir stürzen in der Not kalte Treppen hinunter, wir wollen nichts verpassen, wir beschleunigen herb zum kahlen Klotze hin.

Ein Aufzug rechts der großen Monumentaltreppe zum Eingang befördert Behinderte. Das ist gut und überlegt und muss eindlich mal nicht teuer nachgerüstet werden. Am Eingang legen sich die stolzen Wellen der Prog-Metal-Begeisterung, es gibt den befürchteten Stau, s' ist halt wie immer und überall bei Massenevents: Bis zu 7201 Sitz- und Stehplätze für Veranstaltungen mit Innenraumnutzung sind hier ja versprochen. Ein giftgrüner Schlauch zieht uns sogleich hinab zur Stätte menschlichen Rührens: womöglich kann Farbe das Wasserlassen sogar befördern.

Das Klo ist für solche psychologischen Spitzfindigkeiten etwas knapp dimensioniert. Dann aber hinauf und vorbei am Imbiss. Cola 3,50 und Pils 4 Euro: da gibt’s nichts zu meckern. Den direkten Weg hinein geht’s nicht, denn diese Tribünenbühne ist nur für Rollstuhlfahrer. Das ist lobesam, einerseits. Andererseits verstehen wir den Umweg bald besser, den nebenan geht’s hinein und sehr steile Treppen abwärts. Eine direkten Zugang zum Innennraum scheint es nicht zu geben. Ob da nicht üble Stürze vorprogrammiert sind? Vielleicht gar Massenstürze und blutige Nasen?

Die Halle ist schlecht besucht


Das Gestühl ist schon mal in Dunkelrot gehalten, teils mächtige Bügel hinter jedem Sitz dürfen da genauso wenig einschüchternd wirken, wie die Atmosphäre in der Arena, die – freundlich formuliert, - etwas sehr Geschlossenes hat. Auf Fenster oder Luken scheinen die Bauherren genauso wie auf jeden anderen architektonischen Schnickschnack verzichtet zu haben. Das hier ist schlicht und hat wohl etwas Funktionelles, schließlich ist das eine Multifunktionshalle. Dem Wohlbefinden freilich ist's nicht direkt förderlich.

Dafür drückt nun der Schalldruck von vier Bands bis hin zum donnernden Höhepunkt hin. Die Halle ist mit geschätzten 3000 Besuchern schlecht besucht, was auch zu hören ist. Im Gegensatz zu uns schluckt sie aber alles. Ach ja, ein Männlein mit Biertank auf dem Rücken geht durch dunkle Reihen: eine mobile Abfüllstation, nicht schlecht!. Der Hall, die Echos scheinen etwas unkontrolliert vom Beton abzuprallen, es entsteht der Eindruck der klanglichen Verwaschenheit. Allein, es könnte auch dem Mann am Mischpult geschuldet sein, der ohnehin einen schläfrigen Eindruck macht.

Wir hingegen gehen auch nach stundenlangem Schallbeschuss wohlgemut in die letzte Runde: Dream Theater. Ein Zungenschnalzen für Genießer. Genießer? Die fünf beherrschen ihre Instrumente vorzüglich, der Sänger tremoliert wie immer dramatisch. Doch wer glaubt, die Kunst eines Rocksongs würde darin bestehen, schnell und kanpp auf den Punkt zu kommen, der wird enttäuscht. Sie müssen ihr Virtuosentum schließlich hinreichend demonstrieren, sie verrennen sich über dumpf donnerndem Metal und einigermaßen progressivem Getue in episch verwinkelte Strukturen. Jawohl mit "Wither" haben sie auch eine lieblich eingängige Melodei zu bieten.

Doch sie scheint Alibi, wie sie halt bei jeder Tournee etwas Derartiges bieten, als wollten sie zeigen: Wir können auch anders! Ansonsten wird es anstrengend und manchmal anspruchsvoll: des Gitarristen John Petruccis Finger verwickeln sich kunstvoll, unglaublich, der Keyboarder Jordan Rudess spielt mittels eines auf- und abtauchenden Screens mit sich selbst als Comicfigur im Duett und rast mit Petrucci um die Wett', Drummer Mike Portnoy macht artifizielle Faxen und lässt tausend Fußtrommeln gleichzeitig rattern. Das Komplexe ist Selbstzweck und verwickelt sich in sich selbst. Rock könnte auch einfach sein. Ist er hier aber nicht. Die Multifunktionshalle zumindest ist nicht eingefallen. Test bestanden.